Geschichte

Das Weinviertel

Das Weinviertel, auch Viertel unter dem Manhartsberg (oder Viertel/Kreis Unter-Manharts-Berg, im 19. Jahrhundert abgekürzt V. U. M. B. oder U.M.B.) genannt, liegt im Nordosten von Niederösterreich. Der Name ist seit etwa einem Jahrhundert gebräuchlich. Das Weinviertel ist Österreichs größtes Weinbaugebiet.

Landschaftlich umrahmen die Flussniederungen der Thaya, March und Donau das Weinviertel im Norden, Osten und Süden. Im Westen bildet der Manhartsberg den Übergang zum Gneis- und Granithochland. Die höchste Erhebung ist der Buschberg mit 491 m. Weitere wichtige Gewässer im Weinviertel sind Göllersbach, Hamelbach, Pulkau, Rußbach, Schmida, Weidenbach und Zaya.

Innerhalb wird das Weinviertel durch die Waschbergzone (Rohrwald, Leiser Berge, Staatzer Klippe und Falkensteiner Berge) in einen östlichen und einen westlichen Teil getrennt, der Molassezone mit sanften Hügeln und breiten Muldentälern im Westen und dem nördlichen Wiener Becken und dem Marchfeld im Osten.

Das Weinviertel gliedert sich in die Bezirke Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg und Mistelbach. Auch der Gerichtsbezirk Kirchberg am Wagram des Bezirkes Tulln sowie kleine Teile der Bezirke Horn, Krems-Land und Wien-Umgebung liegen im Weinviertel.

Das Weinviertel gehört zum relativ trockenen pannonischen Klimagebiet mit kalten Wintern und heißen Sommern. Die Jahresmitteltemperatur liegt in Retz bei 10,3 °C und in Poysdorf bei 10,4 °C. Die mittleren Jahressummen der Niederschläge betragen nur zwischen 500 bis 600 Millimeter. Die Dauer der Schneedecke in Retz beträgt etwa 30 Tage und es gibt rund 81 Frosttage, in Poysdorf hingegen beträgt etwa die Dauer der Schneedecke 25 Tage und es gibt rund 87 Frosttage. Die Sonnenscheindauer in Retz beträgt in etwa 1900 Stunden und in Poysdorf an die 2000 Stunden.

Ur- und Frühgeschichte

Das Weinviertel weist im Vergleich zu manch anderen Landschaften Österreichs eine dichte ur- und frühgeschichtliche Besiedlung auf. Ursache dafür sind die günstigen klimatischen Verhältnisse und die Beschaffenheit der Böden (in der Hauptsache Braunerde- und Steppenschwarzerdeböden). Dieses Land zwischen Thaya und Donau liegt im Kreuzungsbereich der Bernsteinstraße und des Donauweges und hatte dadurch – im Gegensatz zu abgelegenen Gebieten – seit jeher einen leichteren Zugang zum Kulturgeschehen. Die frühesten menschlichen Spuren stammen aus der Zeit des letzten Glaziales und gehören somit dem Paläolithikum (Aurignacien und Gravettien) an. Da die Fundstellen dieser Zeit meist unter mächtigen Lösspaketen liegen, ist die Auffindung dem Zufall anheimgestellt. Bedeutende Stationen sind unter anderen von Großweikersdorf und von Stillfried bekannt geworden. Aus dem Ende der Altsteinzeit und für den Übergang zur bäuerlichen Wirtschaftsführung des Neolithikums gibt es bisher eindeutige Hinterlassenschaften nur von Ebendorf bei Mistelbach und vom Bisamberg. Dagegen ist die Jungsteinzeit ab etwa 5000 v. Chr. mit einer fast unübersehbaren Zahl an Siedlungsplätzen vertreten. Bereits die älteste Linearbandkeramik kann auf zahlreiche Siedlungen, beispielsweise in Grafensulz, verweisen. Es folgen die Notenkopfkeramik, die seltene Stichbandkeramik (Grafensulz, Großmugl), die Mährische Bemaltkeramik (Wetzleinsdorf) und mehrere Kleingruppen des Endneolithikums, wie die Glockenbecherkultur (Laa/Thaya).

Die Ankunft germanischer Völker im Verlaufe des ersten nachchristlichen Jahrhunderts brachte für das nördliche Niederösterreich eine weitgehende Umgestaltung des kulturellen Bildes. Die hier nun siedelnden Markomannen und Quaden scheinen mit der bodenständigen „keltischen“ Bevölkerung in friedlichem Neben- und Miteinander gelebt zu haben, wobei allerdings die keltische Eigenart allmählich nur mehr ganz schwach merkbar ist. In der älteren Forschung (bis etwa in das Jahr 1960), wurde angenommen, dass es neben der einheimischen keltischen Bevölkerung in Österreich auch illyrische Völker gegeben hat. Dies ist jedoch nach neuesten Forschungen widerlegt worden, mit dem Ergebnis, dass auf dem Gebiet des heutigen Österreich nie eine Siedlungstätigkeit von Illyrern festgestellt werden konnte.

Mittelalter

Burg Falkenstein, gegründet um 1050

Zu Ende der Völkerwanderungszeit siedelten unter anderem die Langobarden im Weinviertel, bevor sie in Oberitalien ein Reich gründeten. Danach sind die Quellen dürftig, das Weinviertel dürfte jedoch unter dem Einfluss des sich herausbildenden Großmährischen Reiches gestanden haben, slawische Siedlungen sind als sicher anzunehmen. Auch weisen Funde auf awarische Siedlungen hin. Ab dem 8. Jahrhundert setzte die fränkische Besiedelung von Westen her durch die Bajuwaren ein. Unter Karl dem Großen wurden die Awaren in der Pannonischen Tiefebene vernichtend geschlagen und damit ein weiterer Impuls für die fränkische Besiedelung gesetzt. Im nachfolgenden Verfall des Karolingerreiches wurde das Weinviertel wohl wechselnden Einflüssen von Bayern, Slawen und Ungarn ausgesetzt, bis sich nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 und der Niederlage der Ungarn langfristig der Einfluss des neu entstandenen Heiligen Römischen Reichs durchsetzte. Im Kamptal (Gars am Kamp) existierte vom Beginn des 9. Jahrhunderts bis rund Mitte des 10. Jahrhunderts ein slawisches Fürstentum unter fränkischer Oberhoheit, bis es vermutlich von den Ungarn zerstört wurde.

Mit der Belehnung der fränkischen Babenberger ab etwa 976 als Markgrafen für die Mark an der Donau setzte eine stetige Entwicklung des Donauraumes und nachfolgend auch der angrenzenden Gebiete ein.

Ab der Jahrtausendwende kann von einer flächendeckenden Besiedelung und Urbarmachung des Weinviertels ausgegangen werden. Ein funktionierender Verwaltungsapparat liefert ab dieser Zeit Dokumente als Quellen. Das Weinviertel litt immer wieder unter Kriegen beziehungsweise organisierten Raubzügen von Ungarn und vor allem von Tschechen aus dem Norden. In der Schlacht bei Mailberg erlitt ein österreichisches Heer eine Niederlage gegen ein weit überlegenes tschechisches Heer.

Die Kreuzzüge hatten eine bemerkenswerte Auswirkung auf das Weinviertel: Auf der Rückreise nach England wurde König Richard Löwenherz vom Babenbergerherzog Leopold V. gefangen genommen und gegen Lösegeld freigegeben. Mit dem Erlös befestigte Herzog Leopold die Nordgrenze seines Herzogtums und errichtete Befestigungen in Drosendorf, Laa an der Thaya etc. Danach nahm anscheinend die Bedrohung aus dem Norden ab.

Nach dem Aussterben der Babenberger wurde Österreich ein Zankapfel der europäischen Dynastien. Matthias Corvinus, König Ungarns, und schon zuvor Ottokar II. Přemysl, König Böhmens, versuchten jeweils durch Heirat einer Babenbergerin und Gewährung von Privilegien das Land für sich zu gewinnen. Letztendlich konnte sich Přemysl Ottokar II. von Böhmen durchsetzen. Dieser wurde jedoch vom deutschen König Rudolf von Habsburg in der Schlacht bei Dürnkrut 1278 besiegt. 1282 wurden die Söhne Rudolfs von Habsburg Albrecht I. und Rudolf II. mit dem Herzogtum Österreich zur gesamten Hand belehnt. Damit kam auch das Weinviertel unter die Herrschaft der Habsburger.

Unter den Habsburgern wurde es im Weinviertel nicht unbedingt friedlicher, die übermächtigen Luxemburger in Böhmen und Mähren gaben die politische Linie vor. Die Hussitenkriege fanden unter anderem auch im Weinviertel statt. Erst als durch Beharrungsvermögen und Heiratsverträge das Erbe der Luxemburger auch auf die Habsburger überging, wurde das Weinviertel ein Kernland des sich entwickelnden Habsburgerbesitzes. Unter Kaiser Maximilian I. kam auch Ungarn hinzu.

Neuzeit 

Das Weinviertel war 1529 bei der Ersten Türkenbelagerung von Wien ebenfalls betroffen. Dabei wurde das Umland Wiens von den Akıncı, einer etwa 20.000 Mann starken Reitertruppe im Dienst der Osmanen, schwer heimgesucht. Ein drastischer Bevölkerungsrückgang im Weinviertel war die Folge.

Die Gegenreformation setzte in dem während der Reformation weitgehend protestantisch gewordenen Land erst ab den 1570er-Jahren ein. Ein Bauernaufstand wurde 1597 blutig niedergeschlagen. Der Dreißigjährige Krieg schien lange Zeit das Weinviertel wenig zu berühren, lediglich zu Beginn dieses langen Krieges, als Graf Heinrich Matthias von Thurn mit dem Heer der aufständischen Böhmen auf Wien vorrückte, wurde einige Orte entlang der heutigen Brünner Straße geplündert. Gegen Ende des Krieges kam es jedoch weit schlimmer: Bei Jankau in Böhmen, etwa 60 km südöstlich von Prag, fand die letzte große Schlacht des Dreißigjährigen Krieges statt. Am 6. März 1645 besiegte ein schwedisch-protestantisches Heer unter Feldmarschall Lennart Torstensson die kaiserlich-habsburgischen Truppen unter Feldmarschall Melchior Graf von Hatzfeldt, womit für die Schweden der Weg nach Wien offen stand. Die schwedischen Truppen verwüsteten das Weinviertel, etliche Burgen wie Staatz und Falkenstein sind seitdem Ruinen. Der Markt Gaunersdorf, also das heutige Gaweinstal, wurde vollständig niedergebrannt,[9] aber auch Mistelbach wurde stark mitgenommen.

Auch 1683 nach der erfolglosen Zweiten Wiener Türkenbelagerung kam es im Weinviertel zu schweren Verwüstungen. Wiederum kamen große Teile der Weinviertler Bevölkerung ums Leben oder wurden verschleppt.

Während der Napoleonischen Kriege fand am 16. November 1805 die Schlacht bei Hollabrunn und Schöngrabern zwischen den französischen und den russisch-österreichischen Truppen statt. Im Frühjahr 1809 durchzogen wieder österreichische, russische und französische Truppen das Weinviertel. Die politischen Umwälzungen des Jahres 1848 brachten auch für das Weinviertel die Aufhebung der Grundherrschaften des Adels. Am Ende des Ersten Weltkrieges und mit dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie wurde das Weinviertel wieder Grenzgebiet, dem der größere und wichtigere Teil des Hinterlandes fehlte.

Nach dem im März 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wodurch das Weinviertel ein Teil des Gaus „Niederdonau“ wurde. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges fanden die erbittertsten Kämpfe auf österreichischem Boden im östlichen Weinviertel statt. Dies lag unter anderem daran, dass sich in Zistersdorf und seiner Umgebung die letzten noch funktionierenden Erdölfelder des Dritten Reiches befanden. Damit gehörte dieses Gebiet zu den Primärzielen der Roten Armee, als diese am 6. April 1945 die March Richtung Westen überschritt. Das Gebiet wurde von Wehrmacht und Waffen-SS energisch verteidigt, jedoch noch im Verlauf des Aprils von den Russen überrannt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Weinviertel in der sowjetischen Besatzungszone, die Bevölkerung hatte dabei auch die Repressalien der Roten Armee zu ertragen. 1955 zogen die Besatzungstruppen wieder ab. Von der Wende in Osteuropa seit 1989 und der Grenzöffnung profitiert vor allem auch das nördliche Weinviertel, seit 2003 befindet sich das Weinviertel in der Mitte der Europaregion Centrope.

Wirtschaft und Verkehr

Neben dem Weinbau und der Agrarindustrie tragen auch andere Branchen zur Wirtschaft des Weinviertels bei: Die Nahrungsmittelindustrie, Baustoffindustrie, sowie Chemie und die Förderung von Erdöl und Erdgas durch die OMV im Osten des Weinviertels in den so genannten Erdölgemeinden Neusiedl an der Zaya, Zistersdorf, Matzen, Auersthal und Prottes. Aufgrund der Nähe zu Wien spielt auch der Ausflugsverkehr eine Rolle in der Wirtschaft des Weinviertels.

Weinbau

Durch das Pannonische Klima und die Lößböden eignet sich das Weinviertel besonders für den Weinbau. Das Weinviertel ist mit ca. 15.800 ha das größte Weinbaugebiet Österreichs. Die Großlagen für den Weinbau sind die Retzer Weinberge, die Falkensteiner Weinberge, Poysdorf, das Matzner Hügelland, Wolkersdorfer Hochleithen, Hagenbrunn und Bisamberg.

Folgende Rebsorten werden hauptsächlich angebaut:

  • Grüner Veltliner
  • Weißburgunder
  • Welschriesling
  • Zweigelt
  • Blauer Portugieser

Seit 2003 existiert der Weinviertel-DAC. Er steht für gebietstypisch ausgebauten „Grünen Veltliner“ mit pfeffrigem Geschmack.

Landwirtschaft

Neben dem Weinbau wird auch eine großflächige Landwirtschaft betrieben. Im Marchfeld wird schon seit Generationen Gemüseanbau durchgeführt und ist damit Lieferant der nahen Hauptstadt Wien. Auch Getreide- und Erdäpfelanbau zählt zu den traditionellen Lebensmitteln. Unter der Tierzucht hat die Schweinezucht eine große Bedeutung.

Verschränkt mit dem Tourismus versucht man unter der Dachmarke Genussregion Österreich traditionelle Lebensmittel in ihren jeweiligen Regionen verstärkt zu bewerben und vermarkten. Dazu gehören:

  • Region Laaer Zwiebel
  • Region Marchfeld Gemüse
  • Region Marchfeldspargel g.g.A.
  • Region Retzer Kürbis
  • Region Weinviertler Erdäpfel
  • Region Weinviertler Getreide
  • Region Weinviertler Schwein
  • Region Weinviertler Wild

Siehe auch: Liste der Genussregionen Österreichs

Öffentlicher Verkehr

Die wichtigsten Bahnverbindungen im Weinviertel sind die Franz-Josefs-Bahn, die Nordbahn, die Nordwestbahn und die Ostbahn. Neben diesen Hauptstrecken gibt es im Weinviertel auch noch zahlreiche Nebenbahnen.

Straßenverkehr

Durch die unmittelbare Nähe zu Wien und dem damit entstandenen und weiter wachsenden Speckgürtel ergibt sich ein starkes Verkehrsaufkommen, das durch die Öffnung der Grenzen weiter verstärkt wurde. Dieser Entwicklung wird durch großräumige Verkehrsprojekte versucht Rechnung zu tragen.

  • Die Wiener Außenring Schnellstraße (S1) verbindet die Donauufer Autobahn (A22) von Korneuburg mit der Nord Autobahn (A5) bei Eibesbrunn schließlich mit der Wiener Nordrand Schnellstraße (S2) in Wien-Süßenbrunn. Sie soll im Endausbau die Donau bei Groß-Enzersdorf queren und am Knoten Schwechat eine Verbindung zur Ost Autobahn (A4) herstellen.
  • Die Nord Autobahn (A5) verläuft vom Knoten Eibesbrunn Richtung Norden nach Gaweinstal und wird im Endausbau bis zur tschechischen Grenze bei Drasenhofen führen.
  • Die Weinviertel Schnellstraße (S3) führt von Stockerau nach Hollabrunn und soll im Endausbau weiter, dem Verlauf der derzeitigen Weinviertler Straße(B303) folgend, in Richtung tschechischer Grenze bei Kleinhaugsdorf führen.
  • Die geplante Marchfeld Schnellstraße (S8) soll vom Knoten Deutsch-Wagram über Marchegg in Richtung Bratislava führen.

Kultur

Veranstaltungen

Das Weinviertelfestival, die Sommerspiele in Stockerau und die Aufführungen im Theater Westliches Weinviertel (TWW) tragen ebenso zum kulturellem Leben bei wie das jährliche „Filmhof“-Festival in Asparn an der Zaya, das Musicalfestival in Staatz und die Puppentheatertage in Mistelbach. Mehrere Klassik-Festivals finden in der Region statt: Con Anima in Ernstbrunn, Kultur im Schloss Kirchstetten bei Neudorf und die Gottfried-von-Einem-Tage in Oberdürnbach/Gemeinde Maissau. Mit 50.000 bis 60.000 Besuchern an nur zwei Tagen gehört das Kürbisfest im Retzer Land zu den größten Veranstaltungen im Weinviertel, wie auch das Ritterfest in Dürnkrut und Jedenspeigen, das jährlich abwechselnd stattfindet und an den zwei Tagen von 20.000 Personen besucht wird.

Quelle: Wikipedia